Der Deutsche ist finanziell ungebildet!

Laut einer Umfrage des Verbandes der Privaten Bausparkassen, sind die Vermögenswerte der Deutschen wie folgt angelegt:

Sparbuch45%
Girokonto40%
Renten- und Kapitallebensversicherung29%
Bausparvertrag28%
Immobilien22%
Investmentfonds22%
Tagesgeld22%
Riester-Rente20%
Aktien15%
festverzinsliche Wertpapiere5%

Der überwiegende Teil der Ersparnisse liegt also als Cashbestand auf Sparbüchern und Girokonten rum. Dass die Banken hier keine Zinsen mehr zahlen, das ist wohl niemandem entgangen. Dass es sowas wie eine Inflation gibt (2018 lag sie offiziell bei 1,8%) ist ebenfalls allgemein bekannt. Ich denke, soviel Wissen kann man voraussetzen. Wie sehr die Kaufkraft bzw. der Wert des Geldes im Laufe der Zeit sinkt, machen sich jedoch schon weniger Menschen klar.

In den vergangenen 10 Jahren lag die durchschnittliche Inflationsrate hierzulande bei 1,2%. D.h. im Umkehrschluss, dass eine Sparsumme in dieser Zeit 12% an Kaufkraft verloren hat. Aus 10.000,- EUR sind quasi 8.800,- EUR geworden.

Wie kann man weiterhin Geld auf Konten liegen lassen,
wenn man sich dieser Zahlen bewusst ist?

Ich kann es mir nur so erklären, dass es sich eben nur wenige Deutsche bewusst machen. Über seine Finanzen nachdenken bedeutet, sich mit Zahlenwerk zu beschäftigen. Wer will das schon? Es geht dabei zwar um die eigene Zukunft, doch die ist noch weit weit weg.

Wer ist schuld an der finanziellen Unwissenheit?

Wir sind es gewohnt, dass sich Vater Staat um vieles kümmert. Und wenn einmal etwas nicht funktioniert, dann fragt man sich nicht, was man selbst tun kann, sondern ruft gerne nach dem Staat. Eigenverantwortung? Leider nein.

Und so ist es auch seit je her mit der Altersvorsorge. Immer wieder wird das Versprechen erneuert, dass die Rente sicher ist. Dass sich unser Rentensystem schon lange nicht mehr trägt, davon ist keine Rede. Knapp ein Drittel des Staatshaushalts fließt jedes Jahr in die Rentenkasse – Tendenz steigend.

Um dem Problem zu begegnen, werden natürlich auch auf die Rente Steuern erhoben. Und zwar in stetig steigendem Umfang. Wer 2040 in Rente geht darf 100% seiner Rente versteuern. Herzlichen Glückwunsch!

Angesichts dieser Zukunftsaussichten wäre es die Pflicht des Staates – und somit auch seiner Bildungseinrichtungen – die Bürger aufzuklären und den eigenverantwortlichen Umgang mit den Finanzen zu fördern. Stattdessen gibt unser Bundesfinanzminister Olaf Scholz zum Besten, dass er sein ganzes Geld auf dem Sparbuch bunkert. Klar, er muss sich um seine Altersbezüge keine Sorgen machen.

Meiner Meinung nach gehören auch Themen wie die Wirkung des Zinseszins in Verbindung mit Kapitalanlagen oder die langfristige Entwicklung von Aktienmärkten, fest in die Lehrpläne unserer Schulen. Auch sollte jeder Schüler wissen, dass man keine Konsumschulden machen, sondern stattdessen einen Teil des Einkommens in rentierliche Anlagen investieren sollte.

Falle Finanzberatung

Wenn du nun erkannt hast, dass du etwas tun musst und einen Termin bei deinem Bankberater machst – leider auch falsch! Dein Banker – und auch jeder andere Finanzberater – ist nicht daran interessiert, dass du dein Vermögen gewinnbringend investierst. Er bekommt für bestimmte Finanzprodukte eine Provision und wird dir diese Produkte dann auch verkaufen wollen.

Diese Produkte basieren zu einem Großteil auf einer konservativen Mischung aus Rentenfonds, Staatsanleihen und Aktienfonds. Die Performance bleibt in der Regel hinter der Entwicklung der Börse zurück. Zu guter letzt werden die geringfügigen Erträge von den Kosten dieser Produkte aufgefressen. Wenn du am Ende mehr Geld herausbekommst als du reingesteckt hast- selbstverständlich nach Berücksichtigung der Inflation – kannst du dich glücklich schätzen.

Warum mag niemand die Börse?

Mit einer Aktionärsquote von lediglich 7%, liegt der Anteil der Deutschen, die in Aktien investieren sehr niedrig. Im europäischen – und auch im weltweiten – Vergleich, liegen wir ganz hinten.

Die Pleiten der Dotcom-Blase haben bei uns anscheinend bleibende Schäden hinterlassen. Gefühlt hatte jeder Deutsche mindestens eine Telekom-Aktie. Schließlich wurden diese ja auch massiv beworben. Eine wahre Volksaktie. Bis die magentafarbene Seifenblase am Ende platzte.

Doch diese bittere Erfahrung allein ist nicht der Grund für die Scheu vor Aktieninvestitionen. Der allgemeine Tenor in unseren Medien lautet dahingehend, dass an der Börse nur spekuliert wird. Es wird dem schnellen Geld hinterhergerannt, ohne Rücksicht auf die Aktionäre oder gar die Unternehmen selbst. Die Börse ist böse!

Wer langfristig Geld in Aktien anlegt, ist aber kein Spekulant und auch kein Glücksritter, er ist ein Investor. Bei seiner Investition handelt es sich um Beteiligungen an Unternehmen in Form von Aktien. Dieses Kapital wird vom Unternehmen genutzt, um es gewinnbringend zu investieren. Dadurch steigen Umsätze und Gewinne. Der Aktionär profitiert durch einen steigenden Wert der Aktien und oft auch durch Gewinnbeteiligungen in Form von Dividenden.

Was daran so schlecht sein soll, erschließt sich mir nicht. Vielmehr ist es relativ langweilig. Und genau das ist der Grund, warum die Medien nur von Shortsellern, Hedgefonds und Börsencrashs berichten. Dass Otto Normalverbraucher damit nichts zu tun haben möchte, dürfte niemanden verwundern.

Unterm Strich…

…machen sich die Deutschen leider wenig bis gar keine Gedanken über ihre Finanzen. Lieber verlässt man sich auf das bröckelnde Rentensystem. Die Börse wird lieber gemieden. Eher zieht man die Sicherheit der Bankkonten vor, auch wenn hierbei ein Teil des Geldes vernichtet wird.

Jeder wäre gut beraten, sich wenigsten eine Basis an Finanzwissen anzueignen. Nichtmal ein Buch musst du dir kaufen. Es gibt zahlreiche YouTubekanäle und Finanzblogs im Netz. Eine Quelle hast du ja offensichtlich schon gefunden.
Du wirst deine finanzielle Bildung also selbst in die Hand nehmen müssen. Wie wir sehen, nimmt es uns niemand ab.


Es handelt sich hierbei weder um die Aufforderung zum Kauf, noch zum Verkauf von Wertpapieren. Ich schildere hier lediglich meine Meinungen und Erfahrungen und mache keine Anlageberatung.
Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Dies kann auch zum Totalverlust führen.
Bitte beachte hierzu meinen Disclaimer!

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2 Kommentare

  1. Hallo Mike,

    ein hervorragender Artikel. Dem ist wenig hinzuzufügen.

    Ich denke, dass wir Deutschen über Jahrzehnte eingetrichtert bekommen haben, das der Staat sich um alles kümmert, ist die Ursache der meisten Phänomene (um nicht zu sagen Probleme) unserer Zeit.
    Ob es die Berliner Mietendeckel, die technologische Festlegung auf E-Mobilität oder eben die finanzielle Vorsorge ist – in fast jedem Bereich meint der Staat (unsere gewählten Volksvertreter) zu wissen, was gut für uns ist und wie wir zu leben haben.

    Nicht nur Aktien sind böse. Auch diejenigen, die wie wir investieren und Ihre finanzielle Zukunft selber bestimmen wollen, sind böse. Der Lerneffekt aus der Transaktionssteuer, die für die Finanzierung der Grundrente herhalten soll, ist doch, dass derjenige, der vorsorgt, der Dumme ist. Verkonsumiere lieber und verlasse Dich darauf, dass der Staat Dich irgendwann versorgen wird, damit Dir das heute gesparte nicht morgen weggenommen und umverteilt wird.

    Das ist ein selbstverstärkendes System. Mit jeder Umverteilung entsteht neue Ungerechtigkeit, die wieder mit mehr Umverteilung beantwortet wird.

    Diese Tendenzen der Regulierung und Umverteilung führen geradewegs in die Planwirtschaft.
    Unserem Land täte es gut Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zu akzeptieren, die Individualität anzuerekennen und von den Menschen mehr Eigenverantwortung einzufordern.

    Das ist kein Plädoyer für eiskalten Raubtierkapitalismus. Ein Rückbesinnung auf das, was soziale Marktwirtschaft ist, fände ich sinnvoll. Und für mich heisst das, dass das Primat des Marktes gilt und der Staat dafür Sorge trägt, dass keiner Not leiden muss.

    Viele Grüße
    Kassenwart

    1. Hallo Kassenwart,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Wir liegen bei diesem Thema anscheinend auf einer Wellenlänge. Ich sehe es genauso wie du.

      Wie du im letzten Absatz schreibst, würde auch ich nicht alles allein einem freien Markt überlassen, der dann schon alles regelt. Ein gesundes Verhältnis zwischen Staat und Freiheit ist anzustreben. In DE sehe ich momentan ein Ungleichgewicht zugunsten des Staates. Als jemand, der sich ungerne bevormunden lässt und seine Geschicke am liebsten selbst lenkt, habe ich damit so meine Schwierigkeiten.

      Und wenn dann doch die Mehrheit so viel Staat möchte, dann doch bitte mit weniger Bürokratie. Oder wenigstens eine modernere, flexiblere Bürokratie. Das wäre ein Anfang.

      Viele Grüße
      Mike

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