B&G Foods

Ich kaufe: B&G Foods

Wie meine Leser wissen, zielt meine Dividendenstrategie vorrangig auf hohe Dividenden ab, weniger auf hohes Dividendenwachstum. Hohe Dividendenrenditen kann man finden, indem man z.B. auf Branchen setzt, welche zwar hohe Cashflows generieren aber aufgrund ihrer Zukunftsaussichten niedrig bewertet sind. Dazu zähle ich z.B. Ölkonzerne und die Tabakindustrie. Oder man setzt auf REITs und BDCs, welche per Gesetz verpflichtet sind, den Großteil ihrer Gewinne auszuschütten. Die dritte Möglichkeit bietet sich bei Unternehmen, die deutliche Makel aufweisen, welche entsprechend von Mr. Market bewertet wurden. Dabei kann es sich um eine ungesund hohe Ausschüttungsquote handelt, um sinkende Umsätze und Gewinne oder um eine missglückte Übernahme, um nur einige zu nennen. Um auf den Punkt zu kommen: Mit B&G Foods habe ich mir eine Aktie dieser dritten Kategorie ins Depot geholt.

Was macht B&G Foods?

Der Lebensmittelhersteller aus New Jersey, dessen Firmengeschichte bis ins Jahr 1822 zurückreicht, produziert und vertreibt verpackte Lebensmittel in den USA, Kanada und Puerto Rico. Über 50 verschiedene Marken – welche hierzulande überwiegend unbekannt sind – kann das Unternehmen sein Eigen nennen. Mit mehr als 2500 Mitarbeitern erwirtschaftete B&G Foods im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von knapp 2 Milliarden US-Dollar.

Viel Fremdkapital und hohe Shortquote

Im Grunde klingt das nach einem soliden Geschäft, würde das Unternehmen sein Wachstum nicht durch teure Akquisitionen vorantreiben. B&G Foods kauft sich wertvolle, etablierte Marken in sein Portfolio. In letzter Zeit hat man sich diese Strategie vielleicht etwas zu viel Geld kosten lassen, sodass der Schuldenberg beängstigende Dimensionen angenommen hat. Die Schulden übertreffen den Gewinn inzwischen um mehr als das Fünffache.

Leider ist auch den Shortsellern nicht entgangen, dass in der Unternehmensbilanz von B&G Foods etwas aus dem Ruder läuft. Als Folge zählt die Aktie zu den meist geshorteten Wertpapieren. Beinahe 30% der handelbaren Aktien werden leerverkauft. Zufälligerweise kurz nach meinem Kauf, hat dies offenbar Interessensgruppen wie das Reddit-Board Wallstreetbets auf den Plan gerufen. Anders kann ich mir den zwischenzeitlichen Kurssprung von 18% im Tagesverlauf nicht erklären.

finviz dynamic chart for  BGS

Natürlich hätte ich nicht in B&G Foods investiert, wenn ich die Zukunftsaussichten genauso negativ sehen würde, wie die Leerverkäufer. Ich bin optimistisch, dass die Verschuldung abgebaut werden kann, die Umsätze und Gewinne weiter steigen und die Dividenden weiter gezahlt werden können.

  • B&G Foods
    • Kauf von 60 Stück am 01.06.2021
    • Kaufkurs: 30,22 USD
    • Kaufkosten inkl. Gebühren: 1.818,20 USD
    • Dividendenrendite: 6,29%
    • Kürzel NYSE: BGS
    • ISIN: US05508R1068

Für den Kauf habe ich 1.189 USD von meiner monatlichen 1000-Euro-Sparrate genommen. Die restlichen 629 USD haben Dividendenerträge beigesteuert. Man kann also sagen, dass ein Drittel der Kaufsumme durch Dividendeneinnahmen gedeckt wurde. So sieht der Zinseszinseffekt in einer Dividendenstrategie aus.

Kann sich B&G Foods seine Schulden leisten?

Natürlich ist eine hohe Verschuldung nicht das was Investoren sehen wollen. Die Frage ist jedoch, ob der langfristige Abbau der Schulden gelingen kann und ob dabei noch genügend Geld für weitere Investitionen in Wachstum und zur Zahlung der Dividenden übrig bleibt.

Der CEO Ken Romanzi hat auf der Hauptversammlung bestätigt, dass man die Dividenden nicht kürzen wird. Dennoch werden die steigenden Cash-Flows dafür sorgen, dass die Verschuldung verringert werden kann. Auch werden genügend Mittel zur Verfügung stehen, um die geplanten Mergers and Acquisitions umzusetzen. Ob diesen Worten allerdings Taten folgen, muss die Zukunft zeigen. Für vollkommen wertlos halte ich ein solches Commitment jedoch nicht.
Ob die Aussagen des scheidenden CEOs Ken Romanzi seinen Nachfolger interessieren, muss sich erst noch zeigen. Kenneth C. “Casey” Keller übernahm am 14.06.2021 die Leitung des Unternehmens.

Allerdings gibt es Anzeichen, die für Optimismus sorgen könnten. So hat die Firmenleitung angekündigt, das Aktienrückkaufprogramm bis März 2022 zu verlängern. Eigene Aktien im Wert von 50 Millionen USD will man aufkaufen.

Wachstum durch Übernahmen

Das Geschäftsmodell von B&G Foods sieht vor, das eigene Portfolio durch den Aufkauf weiterer Marken zu ergänzen. Die aufgekauften Marken will man stärken, sodass sie zu steigenden Konzernumsätzen beitragen können. Dieses Rezept ist nicht neu, an dessen Umsetzung haben sich jedoch schon viele Unternehmen die Zähne ausgebissen. Als aktuelles Beispiel fällt mir unsere Bayer AG ein, mit deren unglücklicher Monsanto-Übernahme.
Bei B&G Foods scheint dies in jüngster Zeit besser zu gelingen. Zwar führen die Übernahmen zu eben dieser hohen Verschuldung, allerdings tragen sie quasi sofort zu höheren Umsätzen und Gewinnen bei. So spült die Übernahme der Marke Crisco – welche man J. M. Smucker abgekauft hat – ca. 270 Mio. USD Umsatz in die Kassen von B&G Foods. Die konzernweiten Nettoumsätze lagen in 2020, mit 1,96 Mrd. USD, um ca. 300 Mio. USD höher als im Vorjahr. Auch der Jahresgewinn konnte um 19% auf 361 Mio. USD gesteigert werden.
Quelle: B&G Foods Investor Relations

Wie steht es um die Dividenden?

Ein Rundumwohlfühlinvestment ist B&G Foods für mich nicht. Ich bin mir des Risikos bewusst, dass der Schuldenberg letztlich doch zu erdrückend auf dem Geschäftserfolg der Firma lasten könnte. Das vermeintlich hohe Risiko wird jedoch mit hohen Dividenden belohnt. Damit das Kalkül aufgeht, sollten die Dividenden aber weiterhin in gleicher oder steigender Höhe gezahlt werden. Wie stehen die Aussichten hierfür?

Das oben erwähnte Bekenntnis zu den Dividendenausschüttungen ist hier sicherlich ein gutes Zeichen. Jedoch stammt dies von einem inzwischen abgelösten CEO. Eine Bestätigung dieser Aussage durch den neuen CEO konnte ich bisher noch nicht finden.

Das Aktienrückkaufprogramm stellt in meinen Augen einen verlässlicheren Anhaltspunkt dar. Würde der Cashflow nicht für die Tilgung der Kredite und die Ausschüttung der Dividenden reichen, dann wäre wohl als erstes mit der Einstellung des Aktienrückkaufprogramms zu rechnen. Es wurde jedoch die Verlängerung bis März 2022 beschlossen. Das deutet wohl kaum auf leere Kassen hin.

Seit 2009 zahlt BGS stetig steigende Dividenden. Von 2016 an wurden die Dividenden jedoch nur noch geringfügig gesteigert. Mit dem Jahr 2019 wurden die Anhebung der Dividendenausschüttungen zunächst eingestellt. Positiv ist zu sehen, dass es seit 2009 keine Kürzung der Dividenden gab. Ansonsten ist die Dividendenhistorie aber eher durchwachsen, weder besonders lang, noch mit attraktiven Dividendensteigerungen.

Quelle: macrotrends

Mit 93% vom Gewinn, ist die Ausschüttungsquote auf den ersten Blick sehr hoch. Allein aufgrund dieser Kennzahl, würde B&G Foods bei vielen Anlegern schon durchs Raster fallen. Man muss aber auch das Geschäftsmodell berücksichtigen, welches vergleichsweise berechenbare Cashflows liefert. Weiterhin drücken die Fremdkapitalkosten und weitere Kosten für M&A erheblich auf den Gewinn. Daher finde ich, dass die Ausschüttungsquote auf den Free CashFlow hier die geeignetere Kennzahl ist. Diese liegt bei 49%, also noch jede Menge Luft nach oben.

Fazit

B&G Foods konnte im zurückliegenden Geschäftsjahr 2020 deutliche Umsatzsteigerungen verbuchen, auch 2021 verläuft bisher vielversprechend. Allerdings handelt es sich hierbei, um einen von Corona geprägten Zeitraum. Es lassen sich hieraus also kaum Rückschlüsse auf den weiteren Geschäftsverlauf ziehen. Die Marktanteile für verpackte Lebensmittel sind im Prinzip vergeben, organisches Wachstum ist im gesättigten US-Markt nur in geringem Maße zu erwarten. Sicherlich einer der Gründe, warum B&G Foods seit Jahren sein Wachstum durch Mergers & Acquisitions generiert. Als Investor muss man sich nun entscheiden, ob man B&G Foods zutraut, mit dieser Strategie langfristig erfolgreich zu sein. Mein Kauf von 60 Aktien des Lebensmittelherstellers zeigt, wie ich mir diese Frage beantwortet habe.

Die kürzlich vollzogene Auswechslung an der Spitze der Firmenleitung sorgt für einige Fragezeichen. Ob die Dividendenpolitik wie bisher fortgesetzt wird oder ob andere Umbrüche geplant sind, lässt sich zurzeit nicht sagen. Ein gut kalkulierbares Investment sieht sicherlich anders aus. Wie aber oben bereits erwähnt, bin ich mir der Risiken bewusst. Solange ich jedoch mit Dividenden in der aktuellen Höhe für dieses Risiko belohnt werde, handelt es sich hierbei für mich um eine gute Investition.


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Es handelt sich hierbei weder um die Aufforderung zum Kauf, noch zum Verkauf von Wertpapieren. Ich schildere hier lediglich meine Meinungen und Erfahrungen und mache keine Anlageberatung.
Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Dies kann auch zum Totalverlust führen.
Bitte beachte hierzu meinen Disclaimer!

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4 Kommentare

  1. Hallo Mike,
    Glückwunsch zu BGS. Ich habe die schon einige Zeit und freue mich immer über deren Divis. Ich hatte BGS gefunden zwischen CHD und WMT, da ich etwas mit Lebensmittel gesucht habe. Zu den BDCs zähle ich auch meine NMFC. Zahlt verlässlich Divis auch im Pandemie-Einbruch. Keine Steigerung aber hohe Rendite. Schau doch mal drüber, deine Meinung würde mich echt interessieren.
    Viele Grüße
    Dieter

    1. Hallo Dieter,

      ob zum Kauf von B&G Foods ein Glückwunsch angemessen ist oder eher „viel Glück“, das wird die Zukunft zeigen. Natürlich überwiegt bei mir der Optimismus, sonst hätte ich das Papier nicht gekauft. Wir werden sehen… 😉

      In diesem Depot ziele ich ja vor allem auf hohe Dividenden ab. Daher habe ich Church & Dwight und Walmart bisher nicht gekauft. Ohne Frage sind beides aber tolle Unternehmen, an denen ich gerne beteiligt wäre. Solche Investitionen mache ich dann oft über kleine Sparplane in meinem comdirect-Depot. Allerdings sind auch hier noch keine CHD oder WMT zu finden. Aber das kann ja noch kommen.

      Über die New Mountain Finance Corporation bin ich bisher noch nicht gestolpert. Die werde ich mir mal auf meine Watchlist packen. Mein BDC- und REIT-Anteil im DividendenSparer-Depot ist schon recht hoch. Bei den REITs stört mich das nicht. In diesem Sektor kann man durch Diversifikation das Risiko genauso minimieren wie bei allen anderen Einzelaktion. Bei den BDCs sehe ich das schon mit etwa mehr Vorsicht. Zu stark hängt deren Erfolg u.a. von der Zentralbankpolitik ab.

      Viele Grüße
      Mike

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