Ich kaufe: Royal Dutch Shell

Am 04.02.2020 habe 50 Aktien von Royal Dutch Shell gekauft. Warum ich gerade in dieses Unternehmen aus dem Öl-Sektor investiere, erfährst du in diesem Artikel.

Da es sich hierbei nicht um eine Unternehmens- bzw. Aktienanalyse handelt, gehe ich in diesem Artikel nicht genauer auf Unternehmenskennzahlen ein. Die Q4-Zahlen für 2019 wurden ja kürzlich veröffentlicht, den Annual Report konnte ich jedoch noch nicht finden. Wenn du dennoch tiefer ins Zahlenwerk eintauchen möchtest, findest du hier die Investor Relations-Seite von RDS.

Attraktiver Einstiegskurs

Eigentlich wollte ich Anfang Februar in ein anderes Unternehmen investieren. Beim Durchforsten meiner Watchlist fiel mir jedoch auf, dass die Royal Dutch Shell Aktie einen ordentlichen Rücksetzer hatte. Der Kaufpreis von 23,63 € pro Aktie, würde mir somit eine Dividendenrendite von über 7% bescheren. Also kaufte ich 50 Anteilsscheine des Unternehmens.

finviz dynamic chart for  RDS-B

Der Auslöser für den Kursrutsch der Royal Dutch Shell Aktie ist eine Kombination aus enttäuschenden Quartalszahlen und fallenden Ölpreisen. Den Aktienkursen der anderen Öl-Multis erging es übrigens nicht viel besser. Eine Ursache für den sinkenden Ölpreis sind die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus.

Wenn schon eine Öl-Aktie, warum gerade diese?

Wenn wir Saudi Aramco und Gazprom – welche mehr staatliche als private Unternehmen sind – einmal außen vor lassen, dann stehen Anleger beim Thema Öl- und Gas-Förderung vor der Wahl zwischen ExxonMobil, Royal Dutch Shell, BP und Chevron. RDS ist – nach ExxonMobil – der zweitgrößte Öl-Förderer dieses Quartetts.

Für mich sticht Royal Dutch Shell wegen der Dividendenrendite, der Dividendenhistorie und der zukunftsweisenden Ausrichtung des Konzerns heraus.

Ich bin der Ansicht, dass der weltweite Ölbedarf für die nächsten zwei bis drei Dekaden nicht sinken wird. Es ist wahrscheinlicher, dass er aufgrund der wachsenden Weltwirtschaft sogar weiter steigt. Auch der Wandel zur e-Mobilität wird hieran wenig ändern.

Dennoch hat das Management von Royal Dutch Shell eine längerfristige Perspektive eingenommen. Zukünftig will man verstärkt in erneuerbare Energien investieren. Konkrete Projekte gibt es bereits. So investiert man in Australien in einen 120 Megawatt Solarpark, der 50.000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Aber auch in Windkraft wird fleißig investiert. Die nachhaltige und umweltschonende Energieerzeugung soll bis zum Jahr 2030 ein Drittel der Unternehmensbereiche einnehmen.

Shell scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Den Wandel zum CO2-neutralen Energieerzeuger, hat man in die Wege geleitet. Auch BP, Exxon Mobil und Chevron sind in dieser Richtung aktiv geworden. Mein Eindruck ist aber, dass RDS hier am ambitioniertesten voran geht.

Risiken und Herausforderungen der Öl-Branche

Von den vermeintlichen Vorzügen des Ölgiganten mit dem Muschel-Logo einmal abgesehen, ist ein Investment in Öl-Aktien kein Selbstläufer, wie bei manchem Konsumtitel. Die Aktien der Öl-Branche gelten ethisch zumindest als umstritten.

Die Förderung von Öl belastet die Umwelt. Selbst wenn die Gewinnung des schwarzen Goldes reibungslos verläuft, kommt es zu negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Erschwerend hinzu kommen die Unfälle, die sich leider immer wieder ereignen. Eine der wohl bekanntesten Katastrophen ist die Explosion auf der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010. Entschädigungen in Höhe von 7,8 Milliarden Dollar, wollten allein die ca. 100.000 betroffenen Fischer von BP haben.

Neben den Umweltschäden und den damit verbundenen Strafen, gibt es auch politische Risiken für die Öl-Konzerne. Ölvorkommen gibt es nicht nur in politisch stabilen Staaten. Korrupte Regierungen und politische Umbrüche, sowie militärische Konflikte stellen Risiken für die investierenden Unternehmen dar und somit auch für deren Aktionäre.

Zu guter letzt muss noch der schwankende Ölpreis genannt werden. Dieser wird grundsätzlich von Angebot und Nachfrage bestimmt. Um das Angebot kümmert sich in erster Linie die OPEC. Durch künstliche Verknappung oder Steigerung der Ölförderung soll der Preis für Erdöl stabilisiert werden. Die Nachfrage ist jedoch stark von der Weltkonjunktur abhängig. Daher ist es mit Öl-Aktien wie mit allen Rohstoff-Aktien, es handelt sich um Zykliker.

Meine Wahl: Die B-Aktie

Der niederländisch-britische Konzern gibt A- und B-Aktien aus. Die A-Aktien werden nach dem niederländischen Steuerrecht behandelt, die B-Aktien nach dem britischen Steuerrecht. Auf die Dividenden der B-Aktien gibt es somit keinen Quellensteuerabzug. Für mich ein klarer Vorteil, da ich die Dividenden von Royal Dutch Shell voll reinvestieren kann, bis ich mit meiner Steuererklärung schließlich die 25% Abgeltungssteuer plus Soli zahlen muss. Quasi eine Steuerstundung, die ich als Dividendenstratege gerne mitnehme.

Nachtrag: Dank eines Leser-Kommentars ist mir nun auch klar geworden, dass ab 2020 auch bei Aktien, die in den Niederlanden notiert sind, keine Quellensteuer mehr abgezogen wird.

Sind die Dividenden sicher?

Betrachtet man den buchhalterischen Gewinn, dann hat Royal Dutch Shell eine Ausschüttungsquote von 96%. Das wäre nicht wirklich nachhaltig, sondern eher an der absoluten Schmerzgrenze. Entscheidender ist jedoch die Ausschüttungsquote auf den Free Cash-Flow. Hier haben wir einen Wert von 79%. Das ist auch nicht gerade niedrig aber durchaus nicht unüblich.

Weiterhin sollte man bedenken, dass der britisch-niederländische Öl- und Erdgaskonzern seit 1945 eine Dividende ausschüttet. Seit dem wurde die Dividende nicht gekürzt. Aber! Sie würde auch nicht wirklich kontinuierlich gesteigert. Seit ca. 6 Jahren ist sie konstant geblieben. Bei über 7% Dividendenrendite, stört mich das nicht wirklich. Solange der Konzern die zur Verfügung stehenden Mittel für den oben erwähnten Umbau nutzt, soll es mir recht sein.

Nach den kürzlich veröffentlichten Quartalszahlen, ist für 2020 wohl eher nicht mit einer Dividendenerhöhung zu rechnen. Dividendenstrategen, die Dividendenwachstumstitel bevorzugen, sind bei Royal Dutch Shell also völlig falsch.

Fazit

Mit den vier Öl-Giganten ExxonMobil, Royal Dutch Shell, BP und Chevron steht man als Dividendensparer vor der Qual der Wahl. Eine ähnlich hohe Dividendenrendite wie RDS kann aber auch BP bieten. Was mich bei Royal Dutch Shell jedoch mehr überzeugen kann, sind die ernsthaften Bemühungen den Konzern umzubauen, um ihn für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten.


Es handelt sich hierbei weder um die Aufforderung zum Kauf, noch zum Verkauf von Wertpapieren. Ich schildere hier lediglich meine Meinungen und Erfahrungen und mache keine Anlageberatung.
Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Dies kann auch zum Totalverlust führen.
Bitte beachte hierzu meinen Disclaimer!

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10 Kommentare

  1. Guten Morgen Mike,

    wie immer gratuliere ich Dir zunächst zum neuen Investment.

    Wir haben Exxon im Depot. Leider ist die Performance von Exxon bislang recht enntäuschend.
    Währen sich der Gesamtmarkt im vergangenen Jahr bekanntlich sehr positiv entwickelt hat, hat Exxon seit Kauf fast 25% verloren. Die Dividendenrendite ist dadurch auf fast 6% geklettert und somit vergleichbar zu RDS.
    Die wesentlichen Punkte, die mich konkret bei RDS abschrecken, hast Du selber in Deinem Artikel benannt und akzeptiert. Fair enough.

    Ich bin lediglich bei meiner Einschätzung des Öl-Sektors nicht mehr so optimistisch wie Du. Ich glaube, dass die besten Zeiten vorbei sind. Der Öl-Bedarf wird meiner Meinung nach eher sinken, was in Effizienzsteigerung und dem zunehmenden Umstieg auf Alternativen begründet ist.
    Gleichermaßen ist es offenbar nicht mehr möglich den Ölpreis nach Belieben zu steuern wie es in der Vergangenheit oft der Fall war. Inwieweit das RDS oder Exxon betrifft, kann ich nicht beurteilen.
    Vielleicht stocke ich Exxon trotzdem noch mal irgendwann auf um meinen Einstiegspreis nach unten zu korrigieren. Aber ein weiteres Öl-Unternehmen werde ich mir nicht in’s Depot legen.

    Nichts desto weniger hoffe ich für uns beide *s*, dass Du mit Deiner otimistischeren Sicht richtig liegst und für speziell Dich, dass Du mit RDS mehr Erfolg hast als ich mit Exxon.

    Viele Grüße und schönes Wochenende
    der Kassenwart von SchwarzGeld.biz

  2. Hallo Kassenwart,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Die Performance der Aktie ist für mich ja eher von nachrangigem Interesse. Ich möchte in erster Linie, dass das Unternehmen ein robustes Geschäftsmodell hat, welches langfristig dafür sorgt, dass Gewinne gemacht werden, welche mir dann meine Dividenden sichern. Ich denke, dass ist auch bei Exxon der Fall. Zumindest im Moment. Wer sich langfristig am besten aufstellt, muss sich zeigen.

    Ob der Ölbedarf nun sinken oder steigen wird, das können wir beide nur mutmaßen. Die einen sagen so, die anderen so. Genauso verhält es sich übrigens mit dem Tabakkonsum. Daran werde ich wieder denken müssen, wenn ich nächsten Monat in Imperial Brands investiere. 🙂

    Viele Grüße
    Mike

  3. Hi Mike,

    grundsätzlich hast Du bzgl. der Performance schon recht. Als Dividendeninvestoren kann uns das relativ Hupe sein. Aber man kann sie eben auch nicht so vollständig ignorieren. Wenn die Kursverluste schneller wachsen als Deine Dividendeneinnahmen, dann machst Du unterm Strich Verluste. Und ja, die stehen erst mal nur auf dem Papier. Aber wie lange ist man bereit das zu tolerieren? Und worin liegen die Verluste begründet? Kann es nicht dann doch mit Umständen zu tun haben, die das Unternehmen irgendwann in eine Schieflage bringen, die auch Deine Dividende bedroht? Und dann ist es zu spät. Dann ist die Dividende und der Kurs futsch und man muss die Verluste ggf. realisieren.

    So geht und ging es uns mit BMW und Daimler. Zu lange haben wir die Entwicklungen in der Autobranche ignoriert. Die Kursverluste kamen dann recht schnell und auf diese haben wir gar nicht reagiert bis sie so hoch waren, dass wir uns immer noch schwer tun sie zu realisieren. Und nu ist im Falle von Daimler auch noch die Dividende erheblich gekürzt worden…

    Und ja, Du hast recht: diese Überlegungen gelten im gleichen Maß für die Tabakindustrie. Auch bei dieser ist mein Appetit gesätigt. BAT lief bei uns ein halbes Jahr echt mis und hat sich in den letzten Wochen überraschend in’s Plus gedreht. Altria läuft weiterhin nicht besonders. Von Imperial Brands lasse ich lieber die Finger.

    Die hohen Dividendenrenditen kommen ja nicht von ungefähr. In der Regel deuten sie auf Probleme hin. Mein Learning des letzten Jahres ist: lieber mit einer etwas geringeren Dividendenrendite zufrieden geben und dafür ruhiger schlafen. 🙂
    Aber so richtig konsequent bin ich da ja auch nicht. Ich denke momentan über einen Nachkauf bei Tanger nach. 🙂

    Mike, ich hoffe Du verstehst meine Kommentierung nicht als Krittelei oder Miesmacherei. Mir eröffnet der Austausch mit anderen Finanzbloggern und die Lektüre von deren Meinungen neue Perspektiven. Ich höre die Argumente und Erfahrungen, bewerte sie für mich, treffe meine eigenen Entscheidungen, mache meine eigenen Fehler und trage die Verantwortung. In diesem Sinne möchte ich meine Erfahrungen gerne ebenso weitergeben und hoffe, dass sie als Anregung und nicht als Mäkelei verstanden werden.

    Viele Grüße.

  4. Hallo Kassenwart,

    also erst einmal: Als „Krittelei oder Miesmacherei“ verstehe ich Deine Kommentare überhaupt nicht. Ich bin froh über jeden konstruktiven Austausch. Dass man nicht in jedem Punkt einen Konsens erzielt, ist ganz normal und macht den Austausch interessant.

    Was die hohen Dividendenrenditen betrifft: Ja, sie sind oft ein Warnsignal. Sinkende Aktienkurse haben in der Regel berechtigte Gründe. Mein Ziel ist es aber auch, eher unterbewertete Aktien zu kaufen. Eine hohe Dividendenrendite kann eben auch ein Hinweis auf eine Unterbewertung sein.

    Grundsätzlich kaufe ich kein Unternehmen, wenn ich nicht an dessen langfristige Zukunft glaube. Ich will meine Aktien am liebsten für immer behalten. Mir ist klar, als rationaler Investor sollte man Verluste rechtzeitig realisieren. Ich mache das jedoch nicht. Ich halte meine Aktien bis zum Delisting. Es sei denn, es ist schon vorher zu 100% sicher, dass es keine Turnaround-Chance mehr für das Unternehmen gibt. Ich sehe es so: Wenn klar wird, dass es mit der Firma unweigerlich bergab geht, hat man bereits Kursverluste von 50% und mehr zu verbuchen. Dann lohnt sich der Ausstieg – zumindest bei meinen kleinen Positionsgrößen – nicht mehr wirklich. Also kann ich auch auf den Anteilsscheinen sitzen bleiben. Letztendlich habe ich dann, außer den zwischenzeitlich kassierten Dividenden, nichts von dem Investment gehabt. Was mir noch bleibt ist eine minimale Turnaround-Chance.

    Viele Grüße
    Mike

  5. Hallo Kassenwart, einen schönen Blog hast du hier.
    Habe bei dir Brookfield Renewable Energy Partner in deinen Depot entdeckt, meine frage ist, wie läuft das mit der Besteuerung zu den Dividenden, wegen Registrierung auf BMG ?
    Viele Grüße
    Tiffy

  6. Hallo Tiffy,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Ich gehe mal davon aus, dass du mich als Autor dieses Artikels ansprechen wolltest. Ich bin nicht der Kassenwart, sondern Mike der DividendenSparer.

    Nun zu deiner Frage: Also in meinem Fall wird US-Quellensteuer abgezogen. Sicherlich, weil ich die Papiere über eine US-Börse gekauft habe. Ich bin da aber kein Experte.

    Hier erfährst du mehr darüber:
    https://nurbaresistwahres.de/cashtest-brookfield-renewable-partners/

    Ich hoffe, das hilft dir weiter.

    Viele Grüße
    Mike

  7. Bzgl. des Absatzes:
    Der niederländisch-britische Konzern gibt A- und B-Aktien aus. Die A-Aktien werden nach dem niederländischen Steuerrecht behandelt, die B-Aktien nach dem britischen Steuerrecht. Auf die Dividenden der B-Aktien gibt es somit keinen Quellensteuerabzug.

    Bitte mal über die Änderung der Besteuerung in NL informieren.

  8. Natürlich Mike, Tschuldigung.

    Habe mir das mal durchgelesen bei „baresistwahres“ sind wirklich hilfreiche Infomationen gewesen, danke dafür.
    Würde dann bedeuten, wenn ich Brookfield über einen deutschen Broker kaufen würde, mir dann nicht die Kapitalertragsteuer abgezogen wird. Darum geht es ja, nicht um die Quellensteuer!
    Kompliziert:-)
    Viele Grüße
    Tiffy

    1. Hallo Tiffy,

      so verstehe ich es auch. Nur habe ich noch keinen Beweis aus der eigenen Praxis, weil meine Steuererklärung für 2018 noch immer beim Steuerberater ist.

      Die Quellensteuer bin ich aber auf jeden Fall los, die bekomme ich nicht wieder. Falls also keine Abgeltungssteuer erhoben werden sollte, habe ich am Ende 10% Steuern gespart,

      Viele Grüße
      Mike

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