Meine größten Fehler auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit

Eines Tages möchte ich zu einem Punkt kommen, an dem ich meine laufenden Lebenshaltungskosten allein durch passive Einnahmen decken kann. Leider ist mir schon jetzt – am Anfang meiner Reise – bewusst, dass ich einige grundsätzliche Fehler mache, die mein Ziel in weitere Ferne rücken. Welche Fehler dies sind und welche Konsequenzen ich daraus ziehe – oder eben nicht ziehe – erkläre ich in diesem Artikel.

grundsätzliche F.I.R.E. Regeln

Ich habe keinesfalls ein F.I.R.E.-Handbuch studiert – falls es sowas überhaupt gibt, dennoch habe ich eine Vorstellung davon, was im Grunde notwendig ist, um in möglichst kurzer Zeit die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.

1. Sparsamkeit

Wenn du finanziell frei werden willst, ist Sparsamkeit eine unverzichtbare Zutat. Geld zu sparen, ermöglicht es dir zu investieren. Ein sparsamer Lebensstil führt schließlich auch dazu, dass deine Lebenshaltungskosten niedrig bleiben. So ist das zu erreichende passive Einkommen nicht unerreichbar hoch.

2. Investieren

Alle Sparsamkeit wird dir nichts nützen, wenn du das gesparte Geld unter deiner Matratze hortest. Du musst dein Geld für dich arbeiten lassen. Das erreichst du durch Investitionen, welche dir passive Einkommensströme generieren.

3. Einkommen steigern

Bis du das Ziel der finanziellen Freiheit erreicht hast, wirst du wohl oder übel für dein Geld arbeiten müssen. Je erfolgreicher du in deinem Job oder in deiner Selbstständigkeit bist, desto mehr Geld wirst du auch verdienen, was dich in die Lage versetzt, größere Geldbeträge zu investieren.

Das waren – zur groben Übersicht – die drei Grundpfeiler für den erfolgreichen Weg zu F.I.R.E. (financial independence retire early). In welcher Reihenfolge du diese Punkte priorisierst, bleibt dir selbst überlassen. Sicherlich kann man hier noch vieles ergänzen aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen.

Ich mache verdammt viel falsch!

Beim Aufschreiben dieser 3 Punkte wird mir nochmals klar, wie viel ich tatsächlich falsch mache. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll – ich versuche es trotzdem.

Eigenheim auf Pump in der Pampa

Gerald Hörhahn erwähnt es ständig, das Eigenheim in der Pampa, welches auch noch viele Jahre lang abgezahlt werden muss. Die simple Rechnung dahinter ergibt, dass eine gemietete Immobilie günstiger ist, wenn man das gesparte Geld entsprechend rentierlich investiert – z.B. in Aktien.

Als wir unser Eigenheim in ländlicher Lage kauften, machten wir uns noch keine Gedanken über solche Dinge. Meine Frau und ich wollten uns einfach nur den Wunsch der eigenen vier Wände erfüllen, so wie Millionen andere Deutsche auch.

Würde ich mich heute anders entscheiden? Ein ganz klares: Nein! Das Haus bringt uns eine unbezahlbare Steigerung der Lebensqualität, auf die wir nicht mehr verzichten möchten. Auch war der Kaufpreis verhältnismäßig niedrig, weil eine gründliche Sanierung notwendig war. Vieles machen wir in Eigenleistung, das spart zwar Handwerkerkosten, bindet aber auch viel Zeit. Mit einem schlüsselfertigen Haus, hätten wir mehr Zeit für andere Dinge – z.B. sich um weitere Einkommensströme zu kümmern – das Haus wäre aber auch wesentlich teurer geworden.

Ein weiterer Nachteil scheint auf der Hand zu liegen: Die ländliche Lage verspricht nicht unbedingt große Wertsteigerungen. Solange ich nicht mehr in das Haus hineinstecke, als es Wert ist, ist mir das egal. Ich habe so oder so nicht vor, die Immobilie zu verkaufen – genauso wenig, wie ich meine Aktien verkaufen will. Der Aspekt der Wertsteigerung käme nur im Falle einer Scheidung zum Tragen. Und das ist auch die perfekte Überleitung zu meinem nächsten finanziellen Fehler.

Verheiratet ohne Ehevertrag

Um Gottes Willen, wie kann man nur. Als finanziell gebildeter Mensch eine Ehe schließen, ohne jegliche vertragliche Regelung? Ja, ich bin einer von diesen hoffnungslos romantischen bzw. naiven Zeitgenossen. Ich möchte mit meiner Frau zusammen alt werden. Und ich lebe in dem Vertrauen, dass Sie ihr Leben lang dasselbe will.

Sollte dieser rosarote Traum vom Eheleben – bis das der Tod uns scheidet – am Ende nicht aufgehen, dann wird mir von allem nur noch die Hälfte gehören (wenn ich Glück habe). Ich glaube, mein Leben wird dann so oder so ein ganz anderes sein. Ob finanzielle Belange dann an erster Stelle stehen, wer weiß. Auf jeden Fall braucht einer allein ja auch weniger als zwei. Mit einem gründlichen Neustart, inklusive Neuausrichtung von Lebensansprüchen, ließe sich alles regeln. Evtl. würde es den Weg, hin zu F.I.R.E. – sogar beschleunigen.

Der finanzielle Selbstmord: Kinder

Als aufmerksamer Leser hast du es sicher bereits geahnt. Den finanziellen Fehler, Kinder in die Welt zu setzen, haben wir auch noch gemacht.

Wenn man es wirklich ganz objektiv betrachtet, sind Kinder reine Geldvernichtungsmaschinen. Aus einer rein egoistischen Perspektive gibt es keinen mir bekannten Grund, den eigenen Nachwuchs aufzuziehen. Wie teuer es in Deutschland ist, ein Kind bis zum 18. Lebensjahr groß zu ziehen, darüber gibt es verschiedene Studien und Statistiken. Die Durchschnittswerte liegen zwischen 130.000 und 150.000 Euro pro Kind.

Trotzdem wünschen sich die meisten Paare, ein oder mehrere Kinder zu bekommen. Eine Familie zu gründen, ist eben ein natürlicher, instinktiver Wunsch, bei dem monetäre Überlegungen kaum eine Rolle spielen. Und das ist auch gut so. Würden die Menschen rational über die Fortpflanzung nachdenken, wären wir bald ausgestorben.

Einsichten und Uneinsichtigkeit

Neben diesen drei kapitalen Fehlern, mache ich auch noch viele kleine weitere, dessen bin ich mir vollkommen bewusst. Mit Blick auf meine eigene Lebenssituation, kann ich nur annehmen, dass die meisten F.I.R.E.-Ratschläge von Singles stammen. Oft wird ein frugalistischer Lebensstil als unerlässlich erklärt, weil man dadurch nicht nur Geld spart, sondern auch sooo viel Freiraum gewinnt. Wenn ich mir so ein 20-Quadratmeter-Appartement – mit einem Bett, einem Stuhl und einem Tisch – vorstelle, denke ich eher an Tristesse als an Freiraum.

Das Ziel der finanziellen Freiheit sollte dich nicht davon abhalten, das Leben auch heute schon zu genießen. Was dabei wichtig ist und was nicht, das können andere dir nicht vorgeben. Du musst es selbst herausfinden. Solange du nicht über deinen Verhältnissen lebst und einen Teil deines Einkommens in den Vermögensaufbau investierst, kommst du der finanziellen Unabhängigkeit jeden Tag ein Stückchen näher.

Wenn du – wie ich – auch nicht übertrieben sparsam (nichts anderes ist Frugalismus in meinen Augen) leben möchtest, muss dir allerdings klar sein, dass du diesen „finanziellen Fehler“ wieder ausgleichen musst, denn ansonsten gerät dein Plan in Schieflage. Wer also nicht erst mit 102 Lebensjahren genügend Vermögen angesammelt haben will, der muss sein Einkommen entsprechend erhöhen. Schöner Nebeneffekt: Auch wenn die Sparquote gleich bleibt, so steigt doch der Sparbetrag, bei einem steigenden Einkommen.

Mir ist inzwischen klar geworden, dass ich mit meinem aktuellen Sparbetrag und der zu erwartenden Rendite, erst in 30 Jahren ohne ein weiteres Einkommen leben könnte. Was meine Dividendenaktien allein betrifft, werde ich die finanzielle Unabhängigkeit also nicht in absehbarer Zeit erreichen können. Daher ist es wichtig, auch andere passive Einkommensströme aufzubauen, wie z.B. durch Mieteinnahmen.

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11 Kommentare

  1. Ich finde Punkt 3 Einkommen ist mit ABSTAND der größte Hebel von allen…
    Der muss priorisiert werden. Ich würde mich nicht stundenlang mit Aktienanalysen beschäftigen und jeden Penny 3x umdrehen wenn ich nicht mind eine mittlere vierstellige Summe jeden Monat anlegen kann – Stichwort Humankapital

  2. Ein schöner und erfrischender Artikel inmitten vieler Finanzblogs, wo es nur um Zahlen, Zahlen und nochmal Zahlen geht. Lanfristige Rendite und verantwortungsvolles Sparen sind zwar wichtig – man sollte dabei trotzdem nicht vergessen, auch das Hier und Jetzt massvoll zu geniessen! Danke für deinen ehrlichen Einblick!

  3. Hallo Finanzbär,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Da gebe ich dir Recht. In meinen abschließenden Sätzen, kann man gut rauslesen, dass ich das grundsätzlich auch so sehe.

    Ein mittlerer vierstelliger Betrag ist natürlich schon ein stattliches Sümmchen. Soweit bin ich leider noch nicht. Das setzt ein ordentliches Einkommen voraus. Viele, die über ein solches Einkommen verfügen, machen dann aber auch den Fehler der Lifestileinflation. Schade um das ganze Geld.

    Viele Grüße
    Mike

  4. Hallo!
    Wunderschön geschrieben. Mir geht es genauso wie Dir, dass ich mir bei vielen (aber nicht allen) der FIRE-Tipps denke, dass die wohl nur von Singles stammen können. Das soll keine Wertung sein, aber ich vermute, da wird es mit der Zeit auch noch Anpassungen geben.

    Als Buddhist verfolge ich, auch im Alltag, lieber einen Mittelweg zwischen den Extremen. Es geht ja darum, gut und glücklich zu leben und das darf ich nicht ausschließlich auf eine mögliche Zukunft verschieben, sondern muss damit hier und jetzt anfangen. Uns gelingt es ebenfalls, trotz (bescheidenem) Eigenheim, Ehe ohne Ehevertrag und eigener Geldvernichtungsmaschine, monatlich einen substanziellen Teil unseres Einkommens zu investieren.

    Das ist natürlich dem glücklichen Umstand geschuldet, dass wir beide Jobs haben und wohl natürlich frugal sind, also keine unnötigen Luxus benötigen. Ein extremes Spardiktat wäre aber auch nichts für uns.

    Gruß, Rolf

    1. Hallo Rolf,

      vielen Dank für deinen Kommentar und das motivierende Lob.

      Sicherlich führt der radikale, kompromisslose Ansatz am schnellsten zum Ziel. Fragt sich nur, ob die Opfer dann nicht zu groß sind. Ich glaube auch, dass sich so manche Überzeugung im Laufe des Lebens ändert, wenn erstmal ein Partner und evtl. Nachwuchs ins Spiel kommen. Daher sehe ich es auch so wie du: Ein gesunder Mittelweg ist sicher nicht die schlechteste Idee.

      Viele Grüße
      Mike

  5. Hallo Mike,
    sehr schön aufgestellte Einsichtungen zu dem Thema.
    Sehr interessant auch der Punkt mit den Kindern.. unglaublich was so ein Kind kostet.. für mich definitiv der größte Fehler.

    Der Text motiviert jedoch bei dem Thema Investieren dranzubleiben!
    Sich eine gute Aktienstrategie aussuchen und die Regen beachten! Dann wird die finanzielle Freiheit nur eine Frage der Zeit sein:)

    Grüße

    Alexander (der-aktien-ratgeber)

    1. Hallo Alexander,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Falls meine Sprösslinge das hier eines Tages lesen sollten, muss ich erwähnen, dass ich meine Kinder auf keinen Fall für einen Fehler in meiner Lebensplanung halte. 😉
      Aber wenn man es aus rein finanzieller Sicht betrachtet, bleibe ich dabei: Ein Desaster!

      Ich hoffe für mich und alle anderen Eltern, dass wir es trotz der Aufzucht unserer Nachkommen schaffen werden, und nicht in Altersarmut zu enden. Man muss sich halt noch ein wenig mehr anstrengen, dann wird das schon.

      Viele Grüße
      Mike

  6. Hi Mike,

    bin so auch an dem Punkt wo du ungefähr bist, nur 25 Jahre jünger. Habe aber auch schon früh mit der Familiengründung angefangen im Studium quasi.

    Würde ich nicht per se so unterschreiben, dass Kinder ein großes Kapital-Desaster sind. Man ganz früh schauen wo man die Zuschüsse für Kinder investiert.

    Direkt mit Zahlung des ersten Kindergeldes habe ich Sparpläne angelegt. Dann gibts auch immer Geschenke zu Geburtstagen/Weihnachten usw usw. Da kann man die Schenkenden auch immer bitten eher Geld zu schenken. Da häuft sich bis ins Erwachsenenalter mächtig was an, wenn man früh genug daran denkt und es auch konsequent durchzieht (Stichwort Dauerauftrag).

    Und ja, es wurde schon angesprochen. Humankapital. Das muss natürlich stimmen. Werde wohl auch bis mindestens 64 jeden Monat 600€ investieren, damit sich das neben dem gesetzlichen Rentenanspruch auch so gut leben lässt.

  7. Hallo Robert,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Als erstes muss ich dir gratulieren, dass du – in deinen verhältnismäßig jungen Jahren – bereits erkannt hast, dass man sich um den Vermögensaufbau kümmern sollte. Vielen fehlt in diesem Alter das Interesse, die Reife oder was auch immer. Bei mir kam die Erkenntnis leider auch recht spät.

    Ansonsten glaube ich nicht, dass man allein mit dem Kindergeld die eigenen Kinder versorgen kann und dann noch etwas zum Investieren übrig bleibt. Das Kindergeld ist ein netter Zuschuss, reicht aber eigentlich nicht aus, um die Kosten zu decken.

    Viele Grüße
    Mike

    1. Hi Mike,

      danke für deine Antwort.

      Klar, ich habe das auch zu pauschal ausgedrückt. Es kommt natürlich auf viele Bedingungen an.

      Ich habe zum Glück keinen Hauskredit und lebe in Stadtlage wo alles mit dem Rad zu erledigen ist. Die wechselnden Bedürfnisse werden über ebay kleinanzeigen erledigt oder die Verwandtschaft schenkt dazu. Bei den Überkapazitäten unseres Systems ist alles quasi wie neu.

      Mit einem Hauskauf/Eigenheim hat man natürlich viele laufende Verbindlichkeiten. Ich ziehe Miete noch vor,- was sich wohl auch nicht ändern wird, weil die Häuser in Stadtlagen unverhältnismäßig teuer geworden sind und Wohnungen entsprechend auch. Und aufs Land würde ich berufsbedingt nicht ziehen wollen.

      Ich habe so früh angefangen, weil ich oft die Geschichten der Kriegsgeneration noch gehört habe und eben deren Lebenswege aus der Hand in den Mund oft in große Vermögen endeten. Natürlich auch durch die Wirtschaftswunderzeit begünstigt. Das hat mir aber gezeigt worauf es ankommt.
      Dagegen ist das reinwachsen in das System gerade ein absolute Wohltat. Subventionen im Gießkannenprinzip wo man nur hinschaut. Nur die Abgabenlast könnte natürlich geringer sein ;-).

      Und unterschätze nie den Vorteil von Kindern in der Hinsicht, dass du ständig dazulernst, wenn du dich mit ihnen beschäftigst und auch eine viel größere Motivation hast das Leben zu gestalten und zu optimieren. Viele meiner Altersgruppen sind sehr träge aufgrund der fehlenden Verpflichtungen im Leben. Zwei von dreien haben keine Kinder und noch nicht mal eine Partnerin. Da ist es schon sehr müßig Kontakte aufrecht zu erhalten.

      Insofern, auch da kannst du deinen Kindern viel mitgeben. Progressivität wird immer belohnt.

      Beste Grüße!

      1. Hallo Robert,

        ich habe hier in den Kommentaren ja schon versucht, die Kurve zu kriegen, was meine Einstellung zu Kindern betrifft. Mir ist klar, dass mein Artikel nicht gerade einen Kinder-freundlichen Eindruck hinterlässt. 🙂
        Hier sollte es ja um den finanziellen Aspekt gehen, da sehe ich Kinder nach wie vor als Nachteil an. Ansonsten gebe ich dir recht. Ohne meine Kinder wüsste ich bei vielen Dingen nicht, wofür ich das eigentlich alles mache. Eine Familie ist in meinen Augen schon eine unheimlich sinnstiftende und erfüllende Sache. Dabei will ich aber auch nicht verschweigen, dass mir als Single das eine oder andere graue Haar erspart geblieben wäre. Und wenn wir schon dabei sind, meiner Lebenserwartung waren die diversen Aufreger und Sorgen sicherlich auch nicht zuträglich. Und da kommen ja noch einige Schwierigkeiten auf mich zu. Ich sag nur: Teenies!

        Viele Grüße
        Mike

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