Dividendenwachstum oder Hochdividendenwerte, was schneidet besser ab?

In den Kommentaren zu meinem jüngsten Artikel, wurde mir heute vom Kassenwart eine Frage gestellt. Es geht um die – unter Dividendenstrategen umstrittene – Frage, was rentierlicher ist, Dividendenwachstumsaktien oder Hochdividendenwerte. Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Es kommt darauf an!

Ja, tatsächlich spielen hier viele Faktoren eine Rolle. So zum Beispiel der Anlagehorizont, die anfängliche Dividendenrendite und die zu erwartende Steigerungsrate der Dividenden.

Ich habe mir zu dem Thema ja auch schon im vergangenen Jahr meine Gedanken gemacht: Dividendenwachstum vs. Hochdividendenwerte

Damals wie heute, habe ich nicht einfach irgendwelche Erkenntnisse aus einer fremden Quelle verwendet, sondern meine eigenen Berechnungen angestellt. Das birgt natürlich auch die Gefahr, dass ich einen kapitalen Denk- bzw. Rechenfehler begangen habe. Das wäre zwar irgendwie peinlich, trotzdem bin ich dankbar für einen entsprechenden Hinweis, falls es so sein sollte.

Mit meinem heutigen Artikel untersuche ich die Frage unter etwas anderen Voraussetzungen, als bei meinem ersten Versuch. Ich habe drei Unternehmen herausgesucht, die ganz grob das Spektrum von klassischen Dividendenwachstumstitel bis zum Hochdividendenwert abbilden.

Voraussetzungen und Annahmen

Als Anlagedauer habe ich 10 Jahre gewählt. Dies entspricht zum einen der Fragestellung des Kommentators und zum Anderen auch meiner Planung.

Den Abzug der Quellensteuer habe ich ebenso berücksichtigt, wie das Reinvestieren der Dividenden in dasselbe Unternehmen, von dem man die Dividenden erhalten hat. Also sowas wie ein DRIP (Dividend ReInvestment Plan).

Genau genommen müsste ebenfalls berücksichtigt werden, dass man noch Abgeltungsteuer bezahlen muss, sobald der Freibetrag überschritten wird. Da mich persönlich das (noch) nicht vom Reinvestieren aller überwiesenen Dividenden abhält, habe ich diesen Punkt außen vor gelassen.

Ebenso sind Ordergebühren und andere Transaktionskosten nicht in meine Berechnung eingeflossen. Ich möchte nur versuchen hier etwas zu veranschaulichen und keine Haare spalten.

Die verwendeten Daten haben den Stand vom 01.03.2020.

JahrAktieMMMBKTGNL
Yield in %4,246,8211,54
Div. Growth rate 10y in %10,943,670,00
1Shares$1.000,00$1.000,00$1.000,00
1Div. minus 15%$36,04$57,97$98,09
1Shares$1.036,04$1.057,97$1.098,09
2YoC in %4,707,0711,54
2Div. minus 15% incl. DRIP$48,73$74,80$126,72
2Shares$1.084,77$1.132,77$1.224,81
3YoC in %5,227,3311,54
3Div. minus 15% incl. DRIP$56,61$83,03$141,34
3Shares$1.141,38$1.215,80$1.366,15
4YoC in %5,797,6011,54
4Div. minus 15% incl. DRIP$66,08$92,39$157,65
4Shares$1.207,46$1.308,19$1.523,81
5YoC in %6,427,8811,54
5Div. minus 15% incl. DRIP$77,55$103,05$175,85
5Shares$1.285,01$1.411,24$1.699,65
6YoC in %7,138,1711,54
6Div. minus 15% incl. DRIP$91,56$115,25$196,14
6Shares$1.376,57$1.526,49$1.895,79
7YoC in %7,908,4711,54
7Div. minus 15% incl. DRIP$108,82$129,24$218,77
7Shares$1.485,39$1.655,73$2.114,57
8YoC in %8,778,7811,54
8Div. minus 15% incl. DRIP$130,26$145,33$244,02
8Shares$1.615,65$1.801,06$2.358,59
9YoC in %9,739,1011,54
9Div. minus 15% incl. DRIP$157,19$163,88$272,18
9Shares$1.772,84$1.964,95$2.630,77
10YoC in %10,799,4311,54
10Div. minus 15% incl. DRIP$191,35$185,36$303,59
10Shares$1.964,19$2.150,31$2.934,36

Auf Dauer mehr Dividendenrendite bei den Dividendenwachstumsaktien

Auch wenn es nach 10 Jahren noch nicht soweit ist, so ist doch schon zu erkennen, dass der Industriekonzern 3M immer mehr aufholt, je länger man die Aktien hält. Nach 10 Jahren ist er beim Yield on Cost – also der persönlichen Dividendenrendite des Investors – schon nah am BlackRock Income Trust und Global Net Lease dran, welche beide mit höheren Dividendenrenditen ins Rennen gestartet sind. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass 3M die Dividenden auch weiterhin in der Rate von 10,94% steigert.

Mehr Erträge zum Reinvestieren bei den Hochdividendenaktien

So ist der Fall in Sachen Dividendenrendite relativ klar: Auf Dauer machen die Dividendensteigerer das Rennen. Was aber oft vergessen wird, ist der Zinseszinseffekt durch die Reinvestition der Dividenden. Hier können die Hochdividendenwerte anfangs einen signifikanten Vorsprung herausholen. Und genau darum bevorzuge ich diese Aktien derzeit.

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10 Kommentare

  1. Hallo Mike,

    freut mich, dass Dich mein Kommentar zu einem Artikel inspiriert hat. 🙂
    Deinen oben verlinkten, ersten Artikel kannte ich nicht, bzw. ich hatte ihn nicht vor Augen.
    Wie ich aber beiden Artikeln entnehmen kann, hast Du Dir ja gründliche Gedanken gemacht.
    Da hat mich Deine Äußerung, dass Unternehmen mit DIV < 4% für Dich uninteressant seien wohl auf die falsche Fährte gelockt.

    Sofern wir uns darauf einigen können, dass wir andere Qualitätsmerkmale wie Gewinnwachstum und Stabilitätskennziffern einmal ausklammern, finde ich Deine Argumentation schlüssig. Wenn ich zwei Unternehmen zur Wahl habe, die auf 10-Jahressicht ähnliche Ergebnisse liefern, bevorzuge ich auch das Unternehmen mit der höheren Einstiegsdividendenrendite. Da sind wir also durchaus auf einer Wellenlänge.

    Ich sehe nur einen Punkt über den es evtl. lohnt noch mal genauer nachzudenken. Wenn Du eine hohe Dividende bevorzugst, um mehr reinvestierbare Dividenden zu generieren und so schneller Depotwert aufzubauen, dann schließt das für mich ein, dass diese Unternehmen irgendwann durch andere ersetzt werden sollten. Andernfalls würde sich der von Dir genutzte Effekt irgendwann kapitalverzehrend auswirken. Eine Dividende, die nie erhöht wird, dürfte bei steigender Inflation wie eine Dividendenkürzung wirken. Und gerade in der Rentenphase wäre das ein unschöner Effekt. D.h. meine Mindestforderung wäre schon mal Inflationsausgleich zuzüglich ggf. Ausgleich von eventuellen Wertverlusten zum Kapitalerhalt.

    Die Frage, die mir gerade im Kopf herumschwirrt, ist die ob sich ein solcher Austausch dann nicht negativ auswirkt und ob Du nicht mögliche Gewinne aus der Zukunft in die Gegenwart vorziehst. Und das wo (zumindest ich) sie lieber in der Zukunft hätte wenn ich sorgenfrei von meinen Dividenden leben möchte.

    Eine Antwort habe ich jetzt auch gerade nicht parat. Müsste man mal rechnen… Vielleicht denke ich aber auch gerade zu kompliziert. Aber ich hoffe mein Punkt kam halbwegs verständlich rüber. 🙂

    Egal wie: wir kaufen unsere Unternehmen in erster Linie weil wir uns am Unternehmen beteiligen wollen. Die Dividende ist dabei nur eine von vielen Auswahlkriterien. So kommt automatisch eine ordentliche Mischung zustande.

    Viele Grüße
    der Kassenwart

    1. Hallo Kassenwart,

      was die reine Dividendenrendite betrifft, ist das alles richtig und spricht letztlich für die Dividendenwachstumsaktien. Neben der steigenden Dividendenrendite gibt es aber eben auch den Zinseszinseffekt durch das Reinvestieren der erhaltenen Ausschüttungen. D.h. selbst bei 0% Dividendensteigerung – einfacher gesagt, bei konstanter Dividende – läuft man nicht Gefahr, Kaufkraft durch die Inflation zu verlieren.

      Trotz aller Theorie oder vielmehr dem, was ich mir zusammengereimt habe, fahre ich keine strikte Hochdividendenstrategie. Ich mische immer mal wieder Dividendenwachstumswerte mit ins Depot. Ich denke, je mehr ich mit meinen Einnahmen im Laufe der Zeit zufrieden bin, desto größer wird der Anteil von Dividendenwachstumsaktien werden. Denn wachsende Dividenden kommen von wachsenden Gewinnen (zumindest sollte es so sein). Und stetig wachsende Gewinne deuten auf ein solides Geschäftsmodell hin. Von solchen Qualitätsunternehmen will ich natürlich auch Beteiligungen in meinem Aktienportfolio haben.

      Viele Grüße
      Mike

  2. Hallo Dividendensparer,

    guter Artikel! Ich denke jeder Dividenden Investor wird sich früher oder später mit dieser Frage auseinandersetzen.
    Ich denke, dass eine gute Mischung einem Income Portfolio am besten bekommt. Je früher man signifikante Beträge re-investieren kann, desto besser. Aber da ein Income Portfolio meistens auch langfristig ausgerichtet ist, sollten HighGrowth Werte natürlich nicht fehlen, auch deshalb nicht, weil Unternehmen die über Jahre eine hohe Wachstumsrate aufrecht erhalten können, auch vom Geschäftsmodell her gesehen oft top sind.

    By the way:
    hatte dazu auch einen Artikel geschrieben:-)
    https://dividende-um-dividende.com/2019/10/28/high-yield-vs-high-growth/

    Viele Grüße,
    Susanne

    1. Hallo Susanne,

      vielen Dank für dein Feedback.

      Letztendlich strebe ich auch eine solche Mischung an. Momentan sehe ich mich aber noch am Anfang. Da denke ich, dass die höheren Ausschüttungen mir helfen, mein Depot schneller aufzubauen.
      Wenn ich jedoch zu lange damit warte, auch Growth-Titel zu kaufen, dann muss ich entsprechend länger darauf warten, dass ich von den Dividendensteigerungen profitieren kann. Gar nicht so einfach, hier das Richtige zu tun.

      Zu den Dividendenwachstumsaktien zählen ja auch viele Dividendenaristokraten. Klar, die haben ein solides Geschäftsmodell und haben bewiesen, dass sie gegenüber Krisen und Rezessionen ziemlich robust sind. Es muss aber auch nicht unbedingt so sein, dass eine HighYield-Aktie mit hohen Risiken verbunden ist. Bei REITs und BDCs gehört es nun mal per Gesetzt dazu, dass der Großteil der Gewinne ausgeschüttet werden muss. Qualität kann man hier auch finden.

      Viele Grüße
      Mike

  3. So wie es aussieht, wurde schon mein erster Denkfehler gefunden. Na das hat ja nicht lange gedauert.

    Via eMail bekam ich den Hinweis, dass man auf die durch Reinvestition hinzugekauften Aktien nicht die zwischenzeitlich gestiegene Dividendenrendite ansetzen kann. Mit steigender Dividende wird auch der Aktienkurs steigen. Somit erhält man weniger Unternehmensanteile für sein Geld. Realistischer wäre es daher, wenn man die hinzugekauften Shares mit der ursprünglichen Dividendenrendite berechnet und nicht mit der Yield on Cost.

  4. Hallo Mike,

    ich habe den Verdacht, dass dieser „Denkfehler“ auf zahlreichen Finanzblogs und sogar in einigen Dividendenrechnern zu finden ist. Da kommen oft astronomische Summen zusammen, die so nicht stimmen können.
    Ich habe darauf schon einmal in einem unserer Artikel hingewiesen:
    „Im letzten Beispiel ist Vorsicht geboten. Auf etlichen Finanzblogs liest man von astronomischen Summen, welche aus unserer Sicht falsch berechnet wurden. Hier wird schlicht die Zinseszinsformel angewendet und vergessen, dass die über Jahre gesteigerte Dividende aufgrund der Kurssteigerungen nicht auf die Reinvestitionen anwendbar ist.“
    (Quelle: https://www.schwarzgeld.biz/dividendenstrategie/)

    Wie immer sind Prognosen schwierig, vor allem dann wenn sie auf die Zukunft gerichtet sind.
    In der vergangenen Woche hatte man sicher die Gelegenheit Re-Investitionen zu tätigen, die deutlich über dem YoC lagen. Wie das dann das langjährige Mittel beeinflusst? Schwer zu sagen. Am Ende sind Annahmen zu treffen und Durchschnittswerte zu bilden. Was dann am Ende tatsächlich rauskommt kann niemand vorhersagen.

    Viele Grüße
    der Kassenwart

  5. Moin Mike,

    interessanter Beitrag. Wie so oft kommt es auf alle Parameter an.

    Aber eine Frage bleibt bei mir als Dividenden-Strategien-Neuling: Ab wann spreche ich von Hochdividenden und wann von Wachstumsdividenden?

    Viele Grüße

    Björn

  6. Hallo Björn,

    vielen Dank für deinen Kommentar und die damit verbundene Frage.

    Mir ist keine Definition bekannt, die eine klare Einordnung der Begriffe Hochdividenden- und Dividendenwachstumswerte vornimmt.

    Da sind die Übergänge teilweise auch fließend. So gibt es zum Beispiel Aktien, die über 5% Dividendenrendite liefern und trotzdem ein Dividendenwachstum von 10% p.a. vorweisen können.

    Für mich beginnt ein Hochdividendenwert ab 6% Dividendenrendite.

    Man muss derzeit allerdings besonders vorsichtig sein. Aufgrund der Corona-Krise findet man aktuell sehr viele Aktien mit hohen Dividendenrenditen. Diese hohen Renditen entstehen oftmals aber nur aufgrund der Kurseinbrüche der letzten Wochen. Um einen echten Hochdividendenwert zu identifizieren, muss man schon einen Blick in die Dividendenhistorie werfen.

    Viele Grüße
    Mike

  7. Hallo Mike,
    ich denke das Optimum ist, wenn beides – Hochdividendenwert und Dividendenwachstum – zusammentreffen … gerade ist Imperial Brands so ein Beispiel … aber das ist eher selten.

  8. Hallo Uwe,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Aufgrund der runtergeprügelten Kurse, sind solche Kombinationen aus hoher Dividendenrendite und hohem Dividendenwachstum derzeit kein Ding der Unmöglichkeit. Hier fallen mir vor allem die Bereiche Tabakindustire (siehe dein Vorschlag ITB), Öl- und Gaskonzerne, REITs und BDCs ein.

    Ich habe gegen keine der Brachen etwas. Im Gegenteil: Meiner Meinung nach sollte man alle in einem gut diversifizierten Depot haben.

    Bei Öl und Tabak sehe ich die ganz langfristigen Aussichten aber als schwierig an. Zumindest fällt es mir hier schwer, die zukünftige Entwicklung einzuschätzen.

    Wer sich aus diesen Sektoren die am besten aufgestellten Unternehmen ins Portfolio holt, macht auf lange Sicht sicherlich nichts falsch.

    Viele Grüße
    Mike

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